Laufzeit – 9.bis 24. Oktober 2026
Die Ausstellung vereint drei künstlerische Positionen, die Bewegung nicht als bloßes Motiv, sondern als grundlegendes Prinzip ihrer Arbeit begreifen – als Prozess, als körperlichen Zustand und als aktive Wahrnehmung im Raum.
Die Malerei von Gabriele Demmel entsteht ausschließlich in der Nacht – einem für sie freien Raum, losgelöst von den Erwartungen und dem Rhythmus des Alltags. Auf großformatigen Leinwänden entwickeln sich in Acryl und gelegentlich Spraypaint vielschichtige Arbeiten zwischen Chaos und Ordnung. Intuitive Gesten, Überlagerungen und Farbentscheidungen verdichten sich zu einer eigenständigen Bildstruktur. Manche Arbeiten wirken laut und kraftvoll, andere leise und zurückhaltend; gemeinsam ist ihnen eine starke energetische Präsenz. In ihrer Arbeitsweise klingt die Tradition des abstrakten Expressionismus an: Bewegung wird unmittelbar zur Spur auf der Leinwand und verwandelt sich im weiteren Prozess in eine überraschende, stille Ordnung.
Die kleinformatigen Skulpturen von Andre Duront konzentrieren sich auf den menschlichen Körper im Übergang zwischen zwei Zuständen. Sitzende, springende, kletternde oder sich streckende Figuren halten flüchtige Momente fest und entwickeln zugleich eine eigene Beziehung zum Raum. Sie wirken fragil und kraftvoll, körperlich präsent und zugleich offen für unterschiedliche Wahrnehmungen. Duront arbeitet mit Bronze ebenso wie mit Modellier- und Polymermassen, die eine feingliedrige Gestaltung ermöglichen. Der Körper erscheint dabei weniger als anatomisches Abbild, denn als Projektionsfläche für menschliche Erfahrungen. In Figurengruppen und kleinen Installationen entstehen Beziehungen, in denen sich Bewegung, Spannung und Verletzlichkeit unmittelbar aufeinander beziehen.
Die Arbeiten von Ingo Schultze-Schnabl erweitern Bewegung in den Raum der Wahrnehmung. Mehrteilige Bildserien, bewusst voneinander getrennt gehängt, aktivieren das Auge, die Zwischenräume gedanklich zu überbrücken und die Arbeiten sequenziell zu lesen. Die Lücken werden dabei zu einem eigenständigen Bestandteil der Bildstruktur. Bei größeren Leinwänden und Arbeiten auf Holz sind auch die Seiten bemalt. Erst beim Abschreiten und aus wechselnden Perspektiven entstehen neue Zusammenhänge und Brüche. Bewegung wird so zu einem aktiven Vorgang des Sehens: Die Wahrnehmung setzt die Informationen immer wieder neu zusammen und hält das Bild im Fluss.
Gemeinsam entfalten die drei Positionen ein Verständnis von Bewegung, das sich zwischen körperlicher Geste, malerischer Transformation und Wahrnehmung im Raum bewegt – und sich erst im Erleben vollständig erschließt.
Gabriele Demmel
Gabriele Demmels abstrakte Malerei ist expressiv, vielschichtig und von starker energetischer Präsenz. Ihre großformatigen Arbeiten entstehen ausschließlich nachts, in einem Zustand der Freiheit und Loslösung vom Alltag. Intuitive Gesten, Farbsetzungen und Überlagerungen lassen zunächst ein bewusst zugelassenes Chaos entstehen, das sich im weiteren Prozess zu einer stillen Ordnung verdichtet. Zwischen kraftvollen und zurückhaltenden Arbeiten entsteht eine Malerei, die weniger eine konkrete Wirklichkeit abbildet als einen offenen Erfahrungsraum schafft, in dem eigene Empfindungen und Gedanken anklingen können.
Andre Duront
Für Andre Duront ist der menschliche Körper mehr als ein anatomisches Abbild. Seine Skulpturen zeigen Figuren in unterschiedlichen Haltungen und Bewegungsmomenten und lassen dabei bewusst Raum für individuelle Wahrnehmung. Die Körper wirken offen und teilweise schemenhaft, sodass sich ihre Bedeutung erst im Blick des Betrachters konkretisiert. In Bronze sowie feingliedrig modellierten Materialien entstehen fragile und zugleich kraftvolle Figuren. Bewegung wird so zum Ausdruck menschlicher Erfahrung – zwischen innerer Stärke, Verletzlichkeit und dem flüchtigen Augenblick.
Ingo Schultze-Schnabl
Die Arbeiten von Ingo Schultze-Schnabl verbinden Bild und Raum durch Bewegung. Mehrteilige Bildflächen sind durch markante Abstände voneinander getrennt; erst im Wahrnehmen fügt sich das Getrennte zu einem Zusammenhang. Der Blick bewegt sich von einem Element zum nächsten und überbrückt dabei die Lücken. Bei seitlich bemalten Leinwänden und Arbeiten auf Holz kommt die körperliche Bewegung des Betrachters hinzu: Beim Abschreiten verändern sich Perspektive und Zusammenhang. Das Bild entsteht so fortlaufend neu – im Wechsel von Sehen, Erinnern und Zusammensetzen.